Drucken

Arbeitsstelle für Provenienzforschung

NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Zwischen 1933 und 1945 verloren zahlreiche Eigentümer von Kunst- und Kulturgütern ihre Sammlungen oder Teile davon, da sie von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Auf der Flucht zurückgelassen, unter Zwang oder aus Not verkauft, abgepresst, enteignet, beschlagnahmt und geraubt – das Instrumentarium der nationalsozialistischen „Verwertung“ von Kunst- und Kulturgut war vielfältig.

Bis heute ist der Verbleib dieses Kunst- und Kulturguts nicht vollständig geklärt und die Folgen nationalsozialistischer Unrechtsmaßnahmen bestehen praktisch fort. Kunstwerke, Bücher, historische Drucke, Möbel, Schmuck und andere wertvolle Gegenstände gelangten auf direktem oder indirektem Wege – bspw. über den Kunst- und Antiquitätenhandel auch nach 1945 – in öffentliche Museen, Bibliotheken, Archive und andere Sammlungen.

 

Washingtoner Konferenz (1998) und Gemeinsame Erklärung (1999)

Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände unterzeichneten im Dezember 1999 eine Gemeinsame Erklärung, in der Auffindung und Rückgabe „NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ als fortwährende Aufgaben für die öffentlichen Einrichtungen in Deutschland formuliert wurden.

Ein Jahr zuvor waren auf der Washingtoner Konferenz Grundsätze für die Rückgabe von Vermögenswerten aus der Zeit des Holocaust beschlossen worden. Deutschland hatte mit 43 weiteren Staaten die Erklärung unterzeichnet und sich verpflichtet, „nach weiterem NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu suchen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte zu unternehmen, eine gerechte und faire Lösung zu finden.“

 

Stärkung der Provenienzforschung

Um die vielfach aufwendigen und komplizierten Forschungen nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in deutschen öffentlichen Einrichtungen zu unterstützen und die Provenienzforschung insgesamt zu stärken, werden seit 2008 Projektfördermittel in Höhe von einer Million Euro jährlich aus dem Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur Verfügung gestellt. 2012 erfolgte eine Erhöhung der Fördermittel auf zwei Millionen Euro jährlich.   

Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP) beim Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz wurde ebenfalls 2008 eingerichtet und mit der Durchführung der Vergabe der Fördermittel beauftragt. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte die Tätigkeit der AfP von 2008 bis 2012 mit 200.000 Euro jährlich. Seit 2013 stellt sie Mittel in Höhe von 358.000 Euro jährlich zur Verfügung.

 

Projektbezogene Förderung

Alle öffentlichen Einrichtungen sind aufgerufen, ihre Bestände und Sammlungen zu überprüfen und jene Erwerbungsvorgänge offen zu legen, bei denen ein Zusammenhang mit nationalsozialistischen Unrechts- und Verfolgungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung bietet hierzu fachliche Beratung und praktische Unterstützung an. 

Gefördert werden sowohl einzelfallbezogene Rechercheprojekte als auch systematische Erforschungen von Sammlungskonvoluten oder Gesamtbeständen sowie die Erschließung von archivalischen Quellen und Ressourcen, die wichtige Informationen für eine weiterführende Provenienzforschung enthalten. Weiterhin können Zuschüsse zur Erstellung von Rechtsgutachten oder juristischen Aufarbeitungen gewährt werden.